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Die Schatzkammern der eigenen Kreativität öffnen - Berufsplanung und Existenzgründung auf neuen Wegen...
Das Interview mit dem Kommunikationstrainer Jörg Alex Fot führte die Personalfachkauffrau und Ausbilderin Hilde Brune (hb), München
Arbeitslosigkeit und schlechte Aussichten auf einen neuen Job - das sind wichtige Themen unserer Zeit. Im erlernten Beruf bleiben oder noch mal ganz neu durchstarten? Die Verwirrung, auch angesichts der momentanen Wirtschaftslage, ist groß. Was raten Experten, die sich schon lange mit dieser Situation befasst haben? Hilde Brune befragte Jörg Alex Fot, der als Coach und Werbefachmann Menschen bei ihrer individuellen Berufszielfindung und Existenzgründung begleitet.
hb: Wie gehen oder gingen Sie mit diesen existentiellen Fragen um?
Fot: Als Trainer und “Vorturner“ in Bildungsmaßnahmen weiß ich, wovon ich spreche. Das Thema Berufs- und Lebensgestaltung kenne ich. Den Weg bin ich selbst gegangen - mit all seinen Problemen und Schwierigkeiten, durch die unterschiedlichsten beruflichen Situationen und auch in der Arbeitslosigkeit. Von diesen Erfahrungen können die Teilnehmer in meinen Veranstaltungen profitieren.
hb: Sie beraten und coachen Menschen, die sich beruflich neu orientieren wollen oder sich mit dem Gedanken an eine Selbständigkeit an Sie wenden. Was ist das Besondere, das Neue an Ihrer Beratungs- bzw. Trainingsmethode?
Fot: Das Besondere, das Neue ist die Vorgehensweise, eine Geschäftsidee oder einen Berufswunsch zu konkretisieren. Der Teilnehmer stellt sich selbst in den Mittelpunkt und erschließt sich den Markt auf eine ganz andere Art und Weise. Die Bremer Stadtmusikanten haben es vorgemacht. Sie folgten ihrem Interesse und hatten ein klares Ziel.
Veränderte Situationen verlangen eben neue Wege. In meinem Fall war es so, dass ich in den 90er Jahren arbeitslos wurde. Ich musste noch einmal ganz neu gucken. Bis dahin hatte ich schon vieles gemacht: vom Betriebschlosser, Gestalter und Werbefachmann zum Gestalttherapeuten - aber wo war mein roter Faden? Dann fiel mir das Buch von Richard N. Bolles “What colour is your parachute?“ in die Hände und gab mir wichtige Impulse. Systematisch analysierte und betrachtete ich meine Interessen und Fähigkeiten und führte Gespräche querbeet mit Menschen aus den Bereichen Unternehmensberatung, Personal- und Teamentwicklung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Design. Ich unterhielt mich mit Existenzgründern und besuchte Fortbildungen. Das alles bildete den Boden für ein neues Trainingskonzept und ein neues Trainingsinstrument.
hb: Dadurch hat sich ja dann wahrscheinlich herauskristallisiert, was Sie jetzt unter “KalaiDo“ anbieten? Fot: Durch die Erforschung dieser Leidenschafts-Thematik sah ich immer klarer: zunächst das, was ich nicht mehr wollte. Dann kreiste ich immer mehr das ein, was ich gut kann und was mir Spaß macht. Diesem Interesse folgte ich und führte viele Gespräche mit Experten, um mir noch mehr Klarheit zu verschaffen. Letztendlich entwickelte ich auf dieser Grundlage das KalaiDo-Konzept und kam zu meiner jetzigen Tätigkeit.
hb: Bei Ihrer Suche nach einer geeigneten Tätigkeit mussten Sie sich sicherlich auch das fragen, was viele Menschen in der Arbeitslosigkeit bewegt: Bin ich denn nichts mehr wert?
Fot: So ist es. Anstatt mich zurückzulehnen und diese Auszeit zu genießen, machte ich mich selbst verrückt. Selbstzweifel nagten an meinem Gemüt. Was soll ich denn nur machen? Wieso ist es so schwierig, einen Job zu finden? Ich wusste aber auch nicht so richtig, was ich wollte. Dann entschied ich, etwas zu ändern. Etwas beiseite zu treten und in Ruhe zu gucken, was will ich eigentlich? Wenn ich immer wieder leer ausgehe, stimmt dann noch meine Methode? Zeit für einen Wechsel, Zeit zu handeln.
hb: Wie ging es weiter? Eine Idee haben und eine Idee umsetzen - das sind doch zwei Paar Stiefel? Fot: Man sollte unbedingt seinem Spaßprinzip folgen - Beruf kommt für mich von Berufung. Was mir Spaß macht, mache ich gern, und was ich gern mache, mache ich besonders gut und erfolgreich. Meine Jobs fand ich in der Vergangenheit eher “zufällig“, so nach dem Prinzip, was hat der Markt zu bieten? Ich reagierte mehr als zu agieren. Die Konsequenz aus dieser Erfahrung: aktiv die Frage anzugehen, was und wie will ich arbeiten? Erst im nächsten Schritt schaue ich, wo es so etwas geben kann. Durch diese neue und ungewöhnliche Herangehensweise kam ich zu ungeahnten Ergebnissen.
hb: Das Ergebnis ...
Fot: ... ist ein neuer Weg - nicht zum Zwecke einer schnellen Bereinigung von Arbeitslosenstatistiken und auch nicht dazu, dass eine Handvoll Arbeitgeber schnell und billig Arbeitskräfte bekommen. Vielmehr begleite ich in meinen Workshops Menschen bei ihrer beruflichen Neuorientierung und Identitätssuche. Allerdings gebe ich zu keinem Zeitpunkt vor, wofür der Suchende geeignet sein könnte. Es ist also in diesem Sinne keine Beratung, sondern eine Art Geburtshilfe bei der Planung des eigenen Berufslebens.
Ich möchte den Teilnehmern meiner Trainings behilflich sein, die Schatzkammern der eigenen Kreativität leichter aufzutun. Dies ist auch im Einzelcoaching möglich. Im Mittelpunkt steht der Planer und Suchende, weniger der Arbeits- bzw. Auftragsmarkt.
hb: Erwartungen anderer zu erfüllen, in ein Berufsbild zu passen und einen Arbeitgeber bzw. Kunden zufrieden zu stellen, so sah doch bisher die Arbeitswelt aus? Und jetzt stellen Sie das auf den Kopf?
Fot: Nicht wirklich. Aber jeder Mensch kann sein Leben ein Stückweit selbst in die Hand nehmen. Er kann aktiv werden und dabei entdecken, dass der Markt mehr Stellen und Tätigkeiten in petto hat als in der Zeitung stehen oder beim Arbeitsamt bekannt sind.
Der normale Arbeitssuchende richtet sein Augenmerk auf gerade ein Viertel aller Stellen, also auf die Stellen, die ausgeschrieben werden. Er wälzt monatelang ununterbrochen Anzeigen und hat von Haus aus nur eine 25%ige Chance. 400 bis 500 Bewerbungen auf eine Stelle sind keine Seltenheit, denn hier suchen alle! Dabei geht es auch anders. Die Zauberformel heißt Beziehungsmanagement: wer kennt einen, der einen kennt? Die meisten Stellen - und das sind 75% aller offen Stellen - werden vergeben, ohne jemals in der Zeitung gestanden zu haben!
In meinen Workshops und Einzelcoachings recherchieren die Teilnehmer in eigener Sache. Sie sondieren den Markt und sprechen mit Menschen, die mit dem ausgewählten Tätigkeitsbereich im weitesten Sinne zu tun haben. Die Teilnehmer stellen Beziehungen her, bis sie das gefunden haben, wonach sie suchen. Nicht irgendeinen Arbeitsplatz, sondern den Arbeitsplatz oder den Tätigkeitsbereich! Das ist der Unterschied.
hb: Diese Methode setzt beim Teilnehmer ein großes Maß an Eigeninitiative voraus, oder?
Fot: Ja, da sind Energie und Engagement gefordert. Ich biete die Strukturen an, mit denen sich Klarheit finden lässt. Gemeinsam begeben wir uns auf die Suche nach einer Idealtätigkeit. Nur wenn ich das tue, was mir wirklich Spaß macht und mich erfüllt, bin ich ausgeglichen und zufrieden. Ich bin davon überzeugt, dass es für jeden Menschen so etwas gibt, ob nun in der Selbständigkeit oder in einem Beschäftigungsverhältnis.
Übrigens, es finden regelmäßig Info-Abende und Impulstage statt, aktuelle Termine stehen im Internet. Interessierte können mich auch gern zu einem persönlichen Gespräch in meinem Büro besuchen.
hb: Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch.
Weitere Informationen zu den Trainings unter Telefon: 0421 /43 49 94 36
oder per email: training@kalaido.com
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